Die Autorin Gitta Schmidt erlebt eine von Misshandlungen und Missbrauch geprägte Kindheit. Nach über vierzig Jahren hat sie den Wunsch, ihr Leben der inzwischen verstorbenen Mutter anzuvertrauen.
Früh muss Gitta Schmidt lernen, dass sie zum Leben ihrer Mutter keinen Zugang bekommen wird, alles wird unterdrückt, totgeschwiegen, "(...) bleibt in diesen vier Wänden (...)". Aus Enttäuschung über diese Zurückweisung schließt sie die Mutter aus ihrem Leben aus und lässt sie nur noch am Rande an ihrem Leben teilhaben.
Mit über fünfzig Jahren holt die Autorin das Versäumte nach, erst jetzt kann sie es überhaupt, nach einem langwierigen, schmerzhaften Prozess: sie erzählt ihrer bereits verstorbenen Mutter Geschichten aus ihrem Leben.
Gitta Schmidt, geboren 1948, wächst in der Nachkriegszeit in der hessischen Provinz auf. Ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen sind geprägt von wenigen schönen Momenten, vor allem aber von seelischen und körperlichen Misshandlungen durch die Mutter: "Es gab sehr viele Tage, an denen ich mir deinen Zorn und deinen Unmut zugezogen habe, Tage an denen du so zugeschlagen hast, dass ich mich wunderte, noch heile Knochen zu haben. Im Winter waren deine Strafen härter als im Sommer. Durch die dicke Kleidung konnte man die Striemen und Blutergüsse nicht sehen. Im Sommer warst du vorsichtiger, da wurde nur der Hintern versohlt. Manchmal konnte ich danach nur noch auf dem Bauch schlafen." Auch der Vater schlägt immer wieder zu und ab ihrem zwölften Lebensjahr wird Gitta von ihm missbraucht.
Als die Autorin nach dem Schulabschluss die Möglichkeit erhält, aus dem Elternhaus auszuziehen, geht es ihr zunächst besser, doch die Traumata ihrer Kindheit bleiben und holen sie im Laufe ihres Lebens immer wieder ein, sie leidet an Angststörungen, muss sich immer wieder Therapien unterziehen.
Auch in ihrem Erwachsenenleben erfährt Gitta kaum Mitgefühl von ihrer Mutter, zu einer Annäherung kommt es zu deren Lebzeiten nicht mehr. Dieses Buch ist für die Autorin auch deshalb ein Akt der Versöhnung.
Zur Autorin: Gitta Zuther wurde 1948 geboren und lebt heute als Frührentnerin in der Nähe von Erlangen. Das Buch "Du hast geschwiegen. Ich auch" hat sie unter ihrem Mädchennamen Gitta Schmidt veröffentlicht. Zuvor erschienen zwei Veröffentlichungen der Autorin: 2004 wurde ihre Geschichte in die Reihe "Suchet das Christkind zu Erlangen... Erlangen schreibt. Eine literarische Weihnachtsaktion 2004" aufgenommen. 2005 wurde sie in Berlin als eine der Preisträgerinnen des Wettbewerbs "Freundschaft ist..." vorgestellt.
AVIVA-Tipp: Gitta Schmidts Erinnerungen sind schmerzhaft. Die traumatischen Erlebnisse ihrer Kindheit verfolgen sie ihr ganzes Leben. Und doch ist dieses Buch nicht nur bedrückend - es macht auch Mut, hat es die Autorin doch geschafft, sich mit ihrem Schicksal auseinander zu setzen. Sie verzeiht nicht, ist aber bereit zur Versöhnung mit ihrem Leben.







Meinungen & Rezensionen
Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich dieses Buch sehr lesenswert finde, da die Autorin den Mut gezeigt hat, - wenn auch nach vielen Jahren - über das Martyrium was ihr Vater ihr angetan hat sowie die Hintergründe der Nachkriegsjahre darin zu berichten. Ich empfehle dieses Buch unbedingt weiter. Dieses Thema wird gerade in ländlichen Gebieten in vielen Familien totgeschwiegen.
Das Buch hat mich sehr tief bewegt. Es ist nicht vorstellbar, dass eine menschliche Seele das alles ertragen kann und dann noch die Kraft und Stärke findet, sich damit auseinanderzusetzen und aufzuarbeiten.
Ein sehr nachdenkliches und offenes Buch. Ich hoffe nur, daß im Zeitalter der Unabhängigkeit von Frauen, vielen Kindern nicht mehr die Kindheit als auch die Zukunft gestohlen wird. -lesenswert-
Ohne Mut und Mühe würde es dieses Buch nicht geben. Daher gebührt der Autorin Lob und Hochachtung. Ihre absolut lesenswerte Geschichte verfolgt selbst den Leser nachhaltig - sie sollte verfilmt werden! Wünschenswert wäre es, wenn das Schreiben für die Autorin eine Mithilfe zur Katharsis darstellte und sie ihr jetziges Leben befreiter und unbeschwerter meistern kann.
Ein Buch,das niemanden kalt lässt,der es gelesen hat. Es gibt Einblicke in eine Welt,die noch zu oft ein Tabuthema ist,unter der noch viele Seelen leiden. Ich kann es nur jedem empfehlen.
Ich habe das Buch begeistert gelesen und fand es auf der einen Seite unterhaltsam geschrieben auf der anderen Seite auch sehr nachdenklich. Das Buch hat mich noch lange beschäftigt und ich frage mich immer wieder wie Menschen so lange mit einer solchen Belastung leben können. Mit dem Schreiben dieses Buches hat sie sich sicher von einer Last befreit. Ich wünsche der Autorin viel Glück und Erfolg in Ihrem heutigen Leben.