"Ich schreibe Gedichte über Menschen und die Natur in uns und um uns. Es begegnen mir hierbei neben ernsten auch heitere Aspekte. Als Schützin berge ich diese als Gedichte in meinem Köcher und spanne sie einzeln auf meinen Bogen. Sie fliegen weit durch die Luft und sinken langsam herab. Jetzt können sie gefunden werden."
Angelika Maihofer
Meinungen & Rezensionen
Ihre gewählten Worte sind stets von einer abstrakten, dann wieder imaginären und auch mehr oder weniger deutlich großen Kraft. Die Gedichte selbst suchen ein fast zartes, wohlüberlegtes Herantasten an die gewünschte Aussage. Am Schluß eines jeden Gedichtes verharrt man in einem starke, den Leser erreichtes Bild, das nicht selten im besten Sinne provoziert. Es ist unmöglich sich dieser Befindlichkeit zu entziehen, denn Angelika Maihofer versteht es, alle beteiligten Sinne – vor allem deren breites Spektrum von Erfahrungswerten - zu erreichen. In ihren Bildern „spielt“ sie mit Möglichkeiten, hält den Schritt macht deutlich, dass ihre Gedichte ein Weg sein können, ein Angebot, das sich gemäß der eigenen Erfahrungen jeden Lesers entwickeln läßt.
Angelika Maihofer vermittelt die Haltung einer (auch sich selbst) Beobachtenden, einer Horcherin, die knieend, den Oberkörper gebeugt ihr Ohr auf den Boden legt, in die Erde hinein lauscht und die Wahrheit sucht, wohlwissend, dass sich um sie herum die ganze Welt, mit allen denkbaren Entwicklungen und Eigenschaften befindet. Aus dieser Position heraus hat sie die schmerzliche Erkenntnis gewonnen, dass zwischen Wahrheit und Wirklichkeit eine bittere Differenz besteht. Dies, so scheint es, hat sie mit aller Leidenschaft zur Poesie getrieben.
Es ist keine Lyrik der Freude und Schwerelosigkeit. Sie weiß allerdings um die Notwendigkeit dieser Ingredienz, weil diese erst die von ihr gewählte Form prägend erfüllt und einen erntereifen Zustand bedingt. Ein weiterer unübersehbarer Bestandteil liegt in dem Verweben ihrer Verse mit der Natur. Sie verstärkt mit diesen matapherhaften Erscheinungen die Intensität ihrer Wort-Bilder. Zugleich steht sie damit auf dem Kamm eines Berges und trägt als Gratwanderin und Schützin zugleich ihren Köcher mit den Pfeilen nicht zum Angriff, sondern zum Schutz. Mit jedem abgeschossen Pfeil entledigt sie sich einer verstellenden Camouflage und macht sich autark.